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Ready to welcome the world!

13. April 2010

Die Soccer City ist das Goldstück der WM - © TZ

ERSCHIENEN in der SPORTWOCHE Nr. 14,

6. April 2010

SÜDAFRIKA IM SPORTWOCHE-CHECK. Nach sechs Wochen im Land ist klar: Die lauteste, schrillste und freundlichste WM aller Zeiten steht vor der Tür. Jetzt braucht die Welt nur mehr einzutreten.

DIE MITFAVORITEN

Bei einem FIFA-Meeting in Sun City trafen sich 19 der 32 Teilnehmer-Teamchefs. Maradona war früher dran.

Sun City ist ein recht exklusives Urlaubsressort mit Luxushotels, Casinos und Natur- und Abenteuerangeboten. Hauptthema beim FIFA-Teamchefmeeting Ende Februar: Das Quartier der Engländer sei eine Baustelle, wie die britische Yellow Press herausgefunden hatte. In Deutschland erfuhr man kurz danach, dass auch Teamchef Joachim Löw mit „seinem“ Trainingsplatz unzufrieden sei. Das Gute an den schlechten Berichten: Die Fertigstellung läuft nun auf Hochtouren.

Südamerika. Keine Klagen gab es dagegen von Selecao-Coach Carlos Dunga zu hören – und auch nicht vom argentinischen Teamboss Diego Maradona, der schon ein Monat zuvor Südafrika unter großem Medien-Hype besucht und besonders gelobt hatte.

Ist der Brasilianer Carlos Alberto Parreira das Zünglein an der Waage für Südafrika? © TZ

DIE NATIONALMANNSCHAFT

Der Unterschied zwischen Bafana Bafana und Österreichs Team vor der EURO 08 ist ein Weltmeister.

In der aktuellen FIFA-Weltrangliste grundelt Südafrikas Nationalteam nur auf Platz 88 herum. Allerdings steckt Bafana Bafana („Die Burschen“) schon mitten in der WM-Vorbereitung. Am 7. April kehrt Teamchef Carlos Alberto Parreira mit einem 29-Mann-Kader von einem einmonatigen Trainingslager in Brasilien zurück. Der 67-jährige Coach, der 1994 mit seinem Heimatland Weltmeister geworden war, hat auch ein kleines Erfolgserlebnis im Gepäck. Am vergangenen Mitwoch wurde bei einem Abstecher nach Paraguay gegen den dortigen WM-Starter ein 1:1 erreicht. Das Goldtor für Bafana Bafana erzielte Siphiwe Tshabalala mit einem Traumhammer aus 35 Metern. Die Sportwoche hatte den Mittelfeldstar der Kaizer Chiefs vor der Abreise zum Camp in Südamerika getroffen. Beim Exklusivinterview im Traininsgzentrum des Kultklubs wollte sich „Tshaba“ aber noch nicht weit hinauslehnen. „Ich bin momentan Teil des Teams, aber es ist ein langer Weg. Wenn ich weiter so hart arbeite, bin ich fix im WM-Kader.“ Das Ausgleichstor gegen Paraguay hat da sicher nicht geschadet.

Strategie. Beim FIFA-Meeting in Sun City (siehe oben) hat uns Trainer Parreira erklärt, worauf sein Fokus liegt: „Die lange Vorbereitung ist das Wichtigste. Meine Spieler sollen körperlich und mental top-fit sein und voll Stolz und Freude spielen.“ Und wenn Südafrika als erster Veranstalter in der WM-Vorrunde ausscheidet? „Ich mache ihnen deswegen keinen Druck. Irgendwann wird ein Gastgeber scheitern, aber das ist uns egal. Als Trainer von Brasilien habe ich als Erster in der Geschichte ein WM-Qualifikationsmatch gegen Bolivien verloren – auswärts in der Höhenlage. Und dann sind wir Weltmeister geworden. “

Deutsche Vorbereitung. Die Verschnaufpause für das Team ist kurz. Am 12. April geht die Reise nach Deutschland weiter, ganz genau nach Herzogenaurach. Zwei Wochen lang wird im modernen Trainingszentrum des adidas-Hauptquartiers am letzten Schliff gearbeitet. Wann die international tätigen Spieler, allen voran Everton-Held Steven Pienaar, zum Team stoßen, ist noch nicht fix.

DAS WICHTIGSTE STADION

Mit der Soccer City wurde in Johannesburg ein neues Wahrzeichen für die Zukunft geschaffen.

Wenn man die Soccer City betritt, wird einem sofort bewusst: Hier wird mit dem WM-Eröffnungs- und Finalmatch heuer Geschichte geschrieben. Bei unserer Tour durch die größte Arena des Landes (90.000 Plätze) waren noch die allerletzten Bautätigkeiten im Gange, auch der Rasen wurde gerade in Schuss gebracht.

Erster Härtetest. Mittlerweile ist das Stadion vollständig fertiggestellt und erhielt von der FIFA den Sanktus zur WM-Reife. Die offizielle Eröffnung steigt aber erst im Mai mit dem Finale des südafrikanischen Nedbank Cups – dieser Klubbewerb entspricht dem FA Cup in England bzw. der Copa del Rey in Spanien.

DER KARTENVERKAUF

Nach zähem Beginn gehen die Tickets nun doch recht flott weg – die zweitmeisten in die USA.

In Südafrika ist man gewohnt, dass man zum Stadion geht, sich eine Karte kauft und einen freien Sitzplatz wählt. Das System mit Reservierung und Bestellung übers Internet war vielen lokalen Fußballfans zu kompliziert. Auch die hohen Preise wirkten abschreckend. Nachdem eine zusätzliche Billigkategorie für Südafrikaner (ab 14 Euro) eingeführt  wurde, hat der Verkauf nun richtig angezogen.   WM-Touristen. Das internationale Ranking führt die USA mit über 107.000 verkauften Karten an – vor England (gut 63.000) und Deutschland (rund 30.000).

Auch gegen Santos aus Kapstadt gab sich SuperSport United (in Weiß) keine Blöße - © TZ

DIE LIGA

Coaches aus Europa ohne Chance gegen Titel-Hattrick von SuperSport United.

Seit Südafrika die WM zu-gesprochen wurde, rollt auch in der nationalen Premier Soccer League (PSL) so richtig der Rubel, pardon: der Rand. Ein fetter TV-Vertrag (160 Millionen Euro für fünf Jahre) sowie großes Sponsoreninteresse haben die Liga in neue Sphären gehoben. Das lockt immer mehr internationale Klubtrainer an die Südspitze Afrikas. Dennoch stand in der diesjährigen Meisterschaft, die schon Anfang März geendet hatte, mit Gavin Hunt zum dritten Mal in Folge ein Südafrikaner am Steuerruder des Champions. Bei SuperSport United hat Hunt ein piepifeines, erfolgreiches Kollektiv gebastelt.

Legionäre. Die meisten großen Klubs leisten sich aber europäische Coaches. Nur dreht sich auch in der PSL das Trainerkarrusell recht schnell. Das erfuhr Bulgariens Ex-Goaleador Christo Stoitschkow, der Mitte März von den steinreichen  Mamelodi Sundwons gefeuert wurde. Weitere Euro-Coaches 2009/10: Vladimir Vermezovic (Kaizer Chiefs, Ser.bien), Ruud Krol (Orlando Pirates, Niederlande), Foppe de Haan (Ajax Cape Town, Niederlande), Rainer Zobel (Moroka Swallows, Deutschland).

Die Sicherheit der Fußballfans liegt den Veranstaltern besonders am Herzen - © TZ

DIE SICHERHEITSFRAGE

Südafrika wird gern als Land des Verbrechens dargestellt. Dabei regiert eher der freundliche Schmäh.

Südafrika hat mit Kriminalität zu kämpfen, keine Frage. Befolgt man aber ein paar Sicherheitsregeln, dann passiert einem so wie uns in sechs Wochen nichts: In unsicheren Gegenden nicht zu Fuß gehen, besonders nachts. Das Auto auch während der Fahrt immer zusperren. Dabei das Fenster nur einen kleinen Spalt öffnen und nichts am Sitz herumliegen lassen, z.B. Kamera, Rucksack, Handtasche. Und vor allem nicht von der Weite zeigen, dass man ein ängstlicher Tourist ist.

Lächeln. Bringt man die nötige Offenheit mit, kann man die ganze Bandbreite an Fröhlichkeit, Hilfsbereitschaft und augenzwinkerndem Humor auskosten.

DAS DERBY

Kaizer Chiefs-Orlando Pirates ist wie Grün-Weiß gegen Violett.

Die Stimmung und Atmosphäre beim legendären Soweto-Derby zwischen den Chiefs und Pirates ließ uns einen Vorgeschmack darauf bekommen, was sich bei der WM abspielen wird. Schon fünf Stunden vor Spielbeginn wurde im Orlando Stadium gesungen, getanzt und vor allem getrötet.

Torlos. Das Spiel selbst war maximal mittelmäßig und endete wie das erste Saisonduell 0:0. Gestern nach Red.schluss matchten sich die beiden Teams im Cup. [Anmerkung: Die Chiefs haben das Match gewonnen und sind damit ins Finale des Telkom Knockout Cups eingezogen. Mittlerweile waren sie auch im Finale siegreich.]

Füttern fürs System

19. März 2010

Zu Gast bei den Urban Warriors in Kapstadt - © TZ

Erschienen im SPORTMAGAZIN 3/2010

Ajax Cape Town ist das erste Franchise-Team der Welt und zu einem fitten Unternehmen gewachsen, das vor allem den südafrikanischen Fußball aber auch die berühmte „Tante“ in den Niederlanden mit Talenten speisen soll. Das Sportmagazin durfte in die Kabine.

Christo Stoitschkow sitzt in feinem Maßzwirn bei der Pressekonferenz im Athlone Stadium von Kapstadt. Bulgariens Ex-Sturmgott ist Trainer der Mamelodi Sundowns aus Pretoria, die soeben Ajax Cape Town 1:0 bezwungen haben. „El Pistolero“, wie Stoitschkow beim CF Barcelona angefeuert wurde, hat kaum eine Viertelstunde Zeit, das Flugzeug zurück steht schon bereit. Die Saison 2009/10 der südafrikanischen Premier Soccer League (PSL) ist wegen der WM-Vorbereitung eine Hetzjagd, aber fünf Runden vor Saisonschluss sind die Sundowns voll im Titelrennen. Das freut den Übungsleiter, den WM-Torschützenkönig von 1994: „Ein wichtiger Sieg. Ajax war sehr gut. Ich bin sehr glücklich.“

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Zur Meisterschaft

8. März 2010

"2010 is for real!" Südafrikas Fußballbegeisterung ist ungebrochen. © TZ

Während in den europäischen Ligen noch um Meiterschaftsehren gefochten wird – mit vielen offenen und spannenden Entscheidungen – ist in der südafrikanischen Premier Soccer League seit dem Wochenende schon Schluss. Vor dem letzten Spieltag aber war bereits klar, dass SuperSport United zum dritten Mal in Serie den Titel in die Hauptstadt Pretoria bzw. Tshwane geholt hatte; vor den Mamelodi Sundowns, die ebenfalls von dort stammen, und den Kaizer Chiefs aus Soweto.

Der Ligabetrieb wurde in der abgelaufenen Saison natürlich deswegen in ein so enges Format gepresst, weil im Juni für eine auserlesene Gruppe von Spielern ein wahres “Once in a Lifetime”-Spektakel auf dem Programm steht. Zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land ist Südafrikas Nationalmannschaft gerade zum Trainingslager nach Brasilien aufgebrochen, die Heimat des Teamchefs Carlos Alberto Parreira. Ein Camp in Deutschland folgt im April. Spätestens dann knöpft sich die Bafana Bafana auch WM-reife Gegner vor. In der vergangenen Woche gab es beim Ländermatch gegen Namibia im WM-Stadion von Durban nur ein mageres 1:1. Die Erwartungshaltung für den großen Teambewerb ist ungebrochen, so manche Experten reden gar vom WM-Semifinale. Mehr dazu aber bei einem anderen Male.

Good bye and thanks to…

26. Februar 2010

… Rene, Tessa, Elisha, Lusta, The Green Point Family (Pat + Eric, Matthew, Ross, Glen und die Skater-Bande), Thope &  Mpho Lekau, Jörg + Claire, Julius, Hagen, Scarlett Cornelissen, Harald Bresselschmidt, Harald + Christian, Merel + Takawira, Thando, Marion Keim, Bartholomäus Grill, Laurine Platzky, Nomfanelo Magwentshu, Wendy Tlou, Razaan Jakoet, People from Soweto: Lebo + Maria, Phil, Pule, Zama, Tshepo, Lerato&Lerato, Petronella, Thorben, Sebastian, Joe, Jahman M.E.M., Nana, Ainhoa, Thomas, Sandra, Vince, Tonje; Siphiwe Tshabalala,Doctor Khumalo, Kjetil Siem, Brett Evans, Vladimir Vermezovic, Ryder Mofokeng, Wolfgang Eichler, Heinz Palme, Delia Fischer, Thulani Mabaso, Craig Fraser, Mark Gleeson, Steve Smith, Ian Williams, Danny Jordaan, Quinton Dicken, Sidney Nkadimeng, Sid Clark, Lerato Moeletsi, Chantel Olivier, Mark Meyer, Pierre Le Roux, Luthando “Trompies” Zibeko, Altaaf Kazi, Thandi Merafe, Andre “John, the Baptist”, Rashaad “Ikey” Paulse + Rashida, Cassiem Davids, Zuki, Zayi, Nkosinathi, Nomkita, Ntomboxolo etc.

Fußball überall

17. Februar 2010

Der Eindruck täuscht, die Kugel rollt - © TZ

Seit wir in Johannesburg gelandet sind, dreht sich praktisch alles nur mehr ums Kicken: ob beim Herumgaukeln mit Kindern in den Straßen von Soweto, ob beim Besuch von “The Village”, dem Trainingsgelände der legendären Kaizer Chiefs, oder beim Interview mit Kjetil Siem, dem norwegischen CEO der südafrikanischen Premier Soccer League (PSL).

Heute Abend fahren wir nach Pretoria, um uns das PSL-Match zwischen den Mamelodi Sundowns und den Moroka Swallows anzusehen. Die Sundowns sind das reichste Team der Liga und zeigen das ganz ohne Scham: Trainer ist Bulgariens Ex-Goalgetter Hristo Stoitschkow, dazu finden sich zahlreiche südafrikanische Nationalspieler im Kader, u.a.  der Top-Scorer der Liga Katlego Mphela und der landesweit beliebte Verteidiger Matthew Booth (wenn er im Ballbesitz ist, hört man von den Rängen stets ein lautstarkes “Buuuuuuuf”, was so manche internationale Berichterstatter während des Confederations Cups 2009 verwirrte, weil sie dachten, der weiße Hüne würde von den Fans gnadenlos ausgebuht).

Morgen jedenfalls besuchen wir dann die Trainingsanlage der Orlando Pirates, die sich für das Soweto-Derby gegen die Kaizer Chiefs am Samstag vorbereiten. Bei dem Match im Pirates Stadium in Soweto sind wir natürlich auch mit von der Partie. Am Tag davor bekommen wir noch eine Führung durch das größte und bedeutendste aller WM-Stadien: die Soccer City, die uns schon beim mehrmaligen Vorbeifahren unglaublich beeindruckt hat.

Ah ja, ein Nachwuchstraining der Kaizer Chiefs geben wir uns auch noch. Dort ist der ehemalige Bafana-Bafana-Liebling Doctor Khumalo U-17-Coach.

20 Jahre Free Nelson Mandela

11. Februar 2010

Die Mandela-Statue vor dem Gefängnis, wo er in die Freiheit ging - © TZ

Am 11. Februar 1990 hatte Nelson Mandela das Ziel seines „Langen Wegs in die Freiheit“ erreicht. Ein Rückblick auf den historischen Tag in Südafrika, das Land mit der heute wohl modernsten Verfassung aller Demokratien.

Am Weg von Paarl nach Franschhoek, mitten im Weinland im Südwesten Südafrikas und 70 Kilometer von Kapstadt entfernt, liegt auf der rechten Straßenseite das Drakenstein Correctional Services (DCS), eine Haftanstalt mit niedriger Sicherheitsstufe. Diese relativ dünn besiedelte, hügelige bis gebirgige Gegend wird recht großflächig genutzt: ein riesiges Golf-Luxusressort, einige Weingüter und Farmen und dann irgendwann das DCS, das zu Apartheid-Zeiten unter dem Namen „Victor Verster Prison“ firmierte und dadurch Berühmtheit erlangte, dass Nelson Mandela am 11.2.1990 dort seine ersten Schritte in Freiheit machen konnte. Die letzten 15 Monate seiner insgesamt 27 Jahre als politischer Gefangener war Madiba, wie Mandela nach seinem Clan-Namen gerufen wird, hier eingesperrt gewesen.

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Wechsel ohne Pause

7. Februar 2010

Halbzeit, Mitte, eigentlich etwas danach. Drei Wochen sind wir schon in Südafrika, drei sind wir noch da. Genau nachrechnen zahlt sich nicht aus, dafür ist die Zeit zu schade. Nur was ist die Zeit, jetzt wo quasi die Nachspielzeit der ersten Halbzeit angebrochen ist, aber gleichzeitig auch die Seiten gewechselt wurden, und nun ohne Pause oder andere zeitliche Unterbrechung weitergespielt wird. Habe ich hier Zeit verloren oder gewonnen, liegengelassen, aufgeholt? Straft mich die Zeit Lügen, bekomme ich eine Zeitstrafe, oder ist längst eine Strafzeit für mich angebrochen? Oh ja, man könnte mich auch des Zeitspiels bezichtigen, überführen, dabei ist die Spielzeit noch gar nicht abgelaufen.

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